Theoretisch praktisch!? Anwendungsoptionen und gesellschaftliche Relevanz der Kommunikations- und Medienforschung

In einer Zeit des massiven Medienumbruchs will die Jahrestagung der DGPuK in Dortmund das aktuelle Verhältnis zwischen Kommunikationswissenschaft und Medienpraxis ausloten: Welchen Beitrag leistet die Kommunikations- und Medienwissenschaft zur Lösung von Problemen der Medien- und Kommunikationspraxis? Welche gesellschaftliche Relevanz haben kommunikations- und medienwissenschaftliche Forschungsleistungen? Wird die Legitimation des Fachs der dynamischen Entwicklung der Disziplin in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gerecht? Und wie steht es um die Präsenz des Fachs in Medien und Öffentlichkeit? Die Tagung will das Potenzial der Kommunikations- und Medienwissenschaft und der Medienforschung für die öffentliche Debatte über Medien und Kommunikation erkunden. Ansätze und Ergebnisse des Fachs sollen insofern auch ganz bewusst von außen gespiegelt werden. Folgende beispielhafte Fragen stehen im Mittelpunkt:

  • In seinen Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Kommunikations- und Medienwissenschaft in Deutschland mahnt der Wissenschaftsrat an, das Fach solle die notwendigen "Voraussetzungen für eine profunde kommunikations- und medienwissenschaftliche Beratung von Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit" schaffen. Aber: Versteht sich das Fach (auch) als anwendungsorientierte Wissenschaft – mit welchen Konsequenzen für die Forschung? Von welchem Praxisbegriff geht die Kommunikations- und Medienwissenschaft aus, und welche Forschungsfragen und -projekte spiegeln dies exemplarisch? Unter welchen besonderen – auch wissenschaftspolitischen – Bedingungen hinsichtlich eines Anwendungsbezugs agiert hier die Kommunikations- und Medienwissenschaft? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Kommunikationswissenschaft und Politik, Wirtschaft sowie Öffentlichkeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

  • Die Theorienvielfalt in der deutschsprachigen Kommunikations- und Medienwissenschaft nimmt seit einigen Jahren zu. Inwiefern erlauben etablierte und innovative Theorieansätze einen (kritischen) Zugriff auf die soziale Praxis der Medien? Bieten sich mit Blick auf den wachsenden Theorienpluralismus neue Anknüpfungspunkte für den Dialog mit den "Stakeholdern" unseres Fachs? Welche Forschungsprojekte könnten exemplarisch für die These stehen, dass "nichts so praktisch ist wie eine gute Theorie"? Welche Funktionen erfüllen kommunikationswissenschaftliche Theorien für den Alltag in den Kommunikationsberufen, welche Spannungen zwischen Grundlagenforschung und Anwendungsorientierung können exemplarisch anhand von Forschungsprojekten aufgezeigt werden?

  • In einer Zeit des Medienwandels und der Medienkonvergenz erscheinen etablierte Medienstrukturen in vielerlei Hinsicht reformbedürftig. Welche prognostischen Qualitäten hat die Kommunikations- und Medienwissenschaft in dieser spezifischen Umbruchsituation, welche Forschungsarbeit wird hierzu geleistet? Welche Policy-Relevanz besitzt sie und wie beeinflussen Forschungsergebnisse (potenziell) Entscheidungen der relevanten Akteure in Medienpolitik und Medienpraxis? Welche ethischen Probleme ergeben sich für die Kommunikationswissenschaft aus der angewandten Forschung - zumal, wenn profitorientierte Medienunternehmen Auftraggeber sind? Welche Praxis-Relevanz hat die international vergleichende Forschung, und wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis in internationaler Perspektive?

  • Vor allem die dynamische Diversifizierung der computervermittelten Kommunikation hat im Mediensektor zuletzt zahlreiche Innovationen ermöglicht, die in der Kommunikations- und Medienwissenschaft zeitversetzt thematisiert und analysiert wurden. Welche Fragestellungen stehen gegenwärtig im Zentrum der Forschung – und wie lässt es sich angesichts dieses "time lags" rechtfertigen, das Fach als Motor der Medienentwicklung zu verstehen? Kann es, darf es aktiven Einfluss auf diese Entwicklung nehmen? Welche Forschungsarbeiten könnten dies beispielhaft verdeutlichen?

  • Inwiefern wird das Potenzial von Forschung und Ausbildung in unserem Fach genutzt, um in einer sich wandelnden Medienlandschaft "Zukunftslabor" und "Think Tank" für Qualität in den Medien zu sein? Welcher Stellenwert kommt der Kommunikations- und Medienwissenschaft bei der Optimierung von Produktionsprozessen und Produkten medienvermittelter Kommunikation zu? Welchen Einfluss kann und soll sie auf sprachliche und visuelle Aspekte der Medienproduktion nehmen? Dies sind für die Journalistik zentrale Fragestellungen, ebenso aber für die politische Kommunikation, die Nutzerforschung und die PR- und Werbeforschung.

  • (Wie) nutzt die Kommunikations- und Medienwissenschaft ihr Potenzial als Akteur der Medienkritik? Diese Fragestellung erscheint umso relevanter, als die Foren für Medienkritik in vielen etablierten Massenmedien nicht zuletzt in Folge der Medienkrise schwinden. Wie politisch kann bzw. darf die Kommunikationswissenschaft selbst hierbei sein? Und wie viel Medienpräsenz braucht die Kommunikations- und Medienwissenschaft, um sich in einer von wachsendem Wettbewerb gekennzeichneten Hochschullandschaft zu legitimieren? Wie kann, wie soll sich das Verhältnis zwischen der Kommunikations- und Medienwissenschaft und der Medienpraxis in Zukunft strategisch gestalten? Was lehrt der Blick auf andere Fächer, was der Blick ins Ausland?

  • Gerade im Bereich der Rezeptions- und Wirkungsforschung bieten sich zahlreiche Anknüpfungspunkte an die Medien- und Kommunikationspraxis, etwa bei Problemstellungen aus den Bereichen der Publikumsforschung, Programmplanung, Medienmanagement, Marketing, aber auch in Medienpädagogik und politischer Kommunikation. Worin gründet die praktische Relevanz der aktuellen Rezeptions- und Wirkungsforschung, worin die Theorierelevanz gegenwärtiger Rezeptionsprozesse? Lassen sich mögliche Wechselbeziehungen zwischen Forschung und Medienpraxis institutionalisieren?

  • Die unterschiedlichen Traditionen der Kommunikations- und Medienwissenschaft unterscheiden sich auch aufgrund ihrer differierenden Bezüge zur Kommunikations- und Medienpraxis. Welche "Karriere" hat die Forderung nach praxisorientierter Forschung in der fachgeschichtlichen Entwicklung der Kommunikations- und Medienwissenschaft durchlaufen? Beispielhaft kann hier die kommunikationswissenschaftliche Gender-Forschung genannt werden, die sich seit den 1970er Jahren intensiv mit praxisbezogenen Fragestellungen – und deren (gesellschafts)politischer Relevanz – beschäftigt hat. Durch die Beantwortung dieser Fragen will die Tagung nicht zuletzt dazu beitragen, über eine Analyse der Geschichte angewandter Kommunikations- und Medienforschung zu einer Präzisierung des gegenwärtigen Selbstverständnisses der Disziplin beizutragen.

Einreichungsmodalitäten

Beiträge in Form von ausführlichen Zusammenfassungen ("Extended Abstracts", 4.000 bis 6.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) zu den oben genannten Aspekten des Tagungsthemas sind bis spätestens 15. Oktober 2010 über das auf dieser Website eingerichtete Online Abstract Management System einzureichen. Rückfragen zum Reviewprozess können jederzeit via Email gestellt werden.

Offene Panels

Seit einigen Jahren sind so genannte "Offene Panels" Bestandteil der DGPuK-Jahrestagung. Ziel der offenen Panels ist es, aktuelle Arbeitsergebnisse zur Diskussion zu stellen, die mit dem Tagungsthema nicht in Verbindung stehen. Für "Offene Panels" werden ausschließlich vollständige Manuskripte (keine Abstracts) mit maximal 40.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) erbeten. Letzter Termin zur Einreichung ist der 15. Februar 2011. Details zur Einreichung entnehmen Sie bitte dem Call for Papers "Offene Panels".

Lokale Organisation

Prof. Dr. Susanne Fengler

Dipl.-Journ. Tobias Eberwein / Dipl.-Journ. Ursula Götz / Dipl.-Verwaltungswiss. Julia Jorch

Institut für Journalistik / Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus
Technische Universität Dortmund
Emil-Figge-Straße 50
D-44227 Dortmund

Tel.: +49 (0) 231/755-4152
Fax: +49 (0) 231/755-4131

www.journalistik-dortmund.de
www.brost.org

Zur PDF-Version des CfP geht es hier!

Einreichungsphase beendet

Gegenwärtig ist es nicht mehr möglich, Beiträge für die DGPuK-Jahrestagung 2011 einzureichen.

Bei Rückfragen kontaktieren Sie uns bitte unter reviewdgpuk2011.de

Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus Institut für Journalistik Technische Universität Dortmund

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